Reframing
Reframing bedeutet, einer Situation oder einem Verhalten einen neuen "Rahmen" zu geben. Dadurch verändert sich die Bedeutung – und damit auch die emotionale Reaktion und die Handlungsmöglichkeiten.
Die Idee
Ein Bild wirkt unterschiedlich, je nachdem in welchem Rahmen es hängt. Genauso können Situationen, Verhaltensweisen oder Aussagen unterschiedlich bewertet werden, je nach dem Rahmen, in dem wir sie betrachten.
Reframing nutzt die Tatsache, dass Bedeutung nicht in den Dingen selbst liegt, sondern in der Art, wie wir sie betrachten.
Die zwei Arten des Reframing
1. Kontextreframing
Frage: "In welchem Kontext wäre dieses Verhalten nützlich?"
Jedes Verhalten ist irgendwo angemessen. Was im einen Kontext stört, kann im anderen eine Stärke sein.
Beispiel: "Ich bin zu pingelig."
Reframe: "Als Qualitätsprüfer oder Buchhalter wäre das eine wertvolle Eigenschaft."
2. Bedeutungsreframing
Frage: "Was könnte das noch bedeuten?"
Die gleiche Situation kann unterschiedlich interpretiert werden. Ein neuer Blickwinkel verändert die Bedeutung.
Beispiel: "Mein Chef kritisiert mich ständig."
Reframe: "Vielleicht investiert er Zeit in dich, weil er Potenzial in dir sieht."
Klassische Reframe-Beispiele
"Ich bin stur."
"Du meinst, du bleibst bei deinen Überzeugungen, auch wenn es schwierig wird?"
"Ich kann nie Nein sagen."
"Du hast also ein großes Herz und möchtest anderen helfen."
"Das Projekt ist gescheitert."
"Du hast wertvolle Erkenntnisse gewonnen, was nicht funktioniert."
"Ich habe Angst vor dem Vortrag."
"Dein Körper bereitet dich auf eine wichtige Situation vor."
Reframing in der Praxis
- Höre genau zu: Was ist das Problem? Wie wird es formuliert?
- Frage dich: In welchem Kontext wäre das nützlich? Was könnte es noch bedeuten?
- Biete den Reframe an – als Möglichkeit, nicht als Wahrheit
- Beobachte die Reaktion: Öffnet sich etwas?
Wann ist Reframing hilfreich?
- Bei festgefahrenen Sichtweisen
- Wenn jemand nur Nachteile sieht
- Bei Selbstkritik und negativen Selbstbewertungen
- In Konfliktsituationen
- Zur Motivation und Ressourcenaktivierung
Wichtig
Reframing ist keine Relativierung von echten Problemen. Es geht nicht darum, alles schönzureden, sondern darum, zusätzliche Perspektiven zu eröffnen. Die ursprüngliche Sichtweise darf bestehen bleiben.